Du tust mir nicht gut

Mein Bild von dir ist klar und doch vernebelt. Ich sage mir: mit dir hab‘ ich es lustig –  dabei machst du mich oft unendlich traurig. Wenn auch nicht sofort, meistens erst wenn du langsam wieder gehst. Mit dir bin ich endlich ich selbst – oder bewirkst du genau das Gegenteil? Du sagst, du bist immer da, wenn ich dich brauche und das stimmt leider auch. Auf dich ist Verlass. Du bist unverkennbar, selbst in deinen vielen unterschiedlichsten Erscheinungen. Prickelnd, mit fahlem Beigeschmack. Du bist der Mittelpunkt jeder Party, fehlst du fragt man vorwurfsvoll: Warum?

Allein, dass man dich wie einen Menschen, der einem nahe steht beschreiben kann macht mich stutzig. Dabei ist es mir nicht einmal möglich, dich zu berühren, es sei denn du hüllst dich in ein Kostüm, extravagant bunt oder lasziv transparent.

Objektiv betrachtet bieten sich täglich Situationen und Möglichkeiten, Alkohol zu konsumieren. Am Feierabend, zum Runterkommen. Am Wochenende, um Raufzukommen. Zu Ehren des Geburtstags oder Ablebens. Nach dem Büro oder auch gerne bei besonderen Anlässen währenddessen. Zum Brunch am Samstag oder bei Oma am Sonntag.

Ich für meinen Teil trinke wahnsinnig gerne Bier oder ein gutes Glas Wein. Nicht exzessiv, nicht um mich taub zu machen und auch nicht damit ich lustig werde. Sondern aus Genuss. Für mich persönlich gibt es keinen Grund, dauerhaft darauf verzichten zu wollen oder zu müssen. Als ich es für einen Zeitraum tat und auch immer wieder gerne phasenweise mache stellte ich in meinem Dunstkreis fest, dass es (bei Frauen) drei gesellschaftlich akzeptierte Gründe gibt, nicht zu trinken: eine Schwangerschaft, die Fastenzeit oder die Einnahme von Antibiotika. In diesen drei Ausnahmefällen wird deine Entscheidung weder belächelt noch wird versucht, dir ein Glaserl unterzujubeln. Für mich ist dieses gesellschaftliche Verhalten schwer zu verstehen denn weder habe ich irgendjemanden um seine Meinung diesbezüglich gefragt, noch verurteile ich andere, die Alkohol konsumieren noch ist er ein Teil meiner Persönlichkeit, der für einen gemeinsamen Abend mit Freunden zwangsweise benötigt wird.

In den letzten Jahren habe ich bei mir beobachtet, dass ein Kater nicht nur Kopfschmerzen und Trägheit bringt sondern auch eine tiefe Traurigkeit. Restfett auf der Couch zu hängen, Pizza zu bestellen und sich Unterschichtenfernsehen reinzuziehen war damals irgendwie lustig, aber seit einiger Zeit nimmt eine Art Weltschmerz an dem Tag danach Überhand. Vor allem wenn es dann auch noch Sonntag ist, ist dieses Gefühl für mich nur schwer ertragbar. Um mich so selten wie möglich diesem seelischen Kummer, der rein dem Alkohol gezollt ist auszusetzen trinke ich mit Bedacht. Dies bedeutet nicht, dass die Gedanken, Probleme und Hürden damit verschwinden, ich sehe sie aber eher mit der nötigen Objektivität die sie verlangen.

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3 Gedanken zu “Du tust mir nicht gut

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